Samstag, 27 Juni 2015 15:52

Programme gegen Bewegungsmangel

© Foto: Judith Radler © Foto: Judith Radler

Beweglichkeit, Kraft und Ausdauer nehmen bei der heutigen Jugend von Jahrgang zu Jahrgang ab. Daraus resultieren Übergewicht, Haltungsschäden und Konzentrationsstörungen. Zahlen über die Zunahme von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen werden in den Medien regelmäßig kommuniziert.

Erschreckend sind sie allemal. Man spricht davon, dass etwa 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind und bei über sechs Prozent bereits eine Adipositas vorliegt.

Die Ursachen dafür, wie mangelnde Bewegung und falsche Ernährung, sind uns hinlänglich bekannt. Auch über die gesundheitlichen Folgen werden wir fast täglich informiert. Auch hier sind die Zahlen alarmierend. Jedes zweite Schulkind klagt über gesundheitliche Beschwerden. Dabei liegen Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Konzentrationsprobleme in der Statistik ganz vorne (Bös, Opper & Woll 2002).

Übergewicht vererbt sich
Beängstigend sind vor allem auch Berichte über das Auftreten von Diabetes Typ-2 bereits bei sehr jungen Kindern und über sonstige Erkrankungen wie Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Hormonstörungen, die üblicherweise erst im Alter auftreten. „Übergewicht bei Kindern, welches bereits die Grundlage für das spätere Metabolische Syndrom legt, ist derzeit und in Zukunft eines der Hauptthemen unter den Medizinern.

Dabei kommen beim Übergewicht neuerdings noch epigenetische Faktoren ins Spiel, was die Sache noch brisanter macht im Hinblick auf spätere Generationen“, so lautete die Botschaft von Prof. Dr. med. Gerhard Uhlenbruck im Rahmen einer Podiumsdiskussion des WFWF im Oktober 2010 in Basel. Das bedeutet, dass Übergewicht über die Zelleigenschaften auf Tochterzellen, und somit auf die nachfolgenden Generationen, vererbt wird. Je früher die Fettsucht eintritt, desto schwerwiegender sind auch die späteren Folgeerscheinungen. Einige Wissenschaftler sprechen bereits von einer Fettsucht-Epidemie.

Die motorische Leistungsfähigkeit bei Kindern verschlechtert sich
Wie es um die motorische Leistungsfähigkeit von Kindern bestellt ist, wurde in mehreren Studien und Tests untersucht. In der Studie des Zentrums für Gesundheit wurde zwischen 1998 und 2006 ein Vergleich der motorischen Leistungsfähigkeit von Kindergartenkindern ermittelt. Danach waren in allen Parametern der 2006 getesteten Kinder deutliche Rückgänge gegenüber den in 1998 getesteten Kindern zu verzeichnen (Quelle: www.ingo-froboese.de).

Am Robert-Koch-Institut in Berlin wurde von 2003 bis 2006 mit ca. 18.000 beteiligten Kindern und Jugendlichen ein bundesweiter Gesundheitssurveys (www.kiggs.de) durchgeführt. Teil dieser Untersuchung ist ein Motorik-Modul (MoMo) unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaften an der Universität Karlsruhe, wonach beispielsweise 43 % der Kinder und Jugendlichen bei der Rumpfbeuge nicht das Fußsohlenniveau erreichen und 86 % nicht eine Minute einbeinig auf einer T-Schiene balancieren können, ohne den Boden zu berühren (Quelle: www.sport.uni-karlsruhe.de).

Kinder sind unsere Zukunft
Die durch Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen verursachten gesundheitlichen Folgen sind somit Grund genug, nicht nur darüber zu schreiben oder zu diskutieren, sondern konkret durch geeignete Maßnahmen und Programme etwas dagegen zu tun. Nicht nur, weil Kinder die Zukunft unserer Gesellschaft sind und nicht nur aufgrund der Kostenlawine, die im Gesundheitsbereich auf uns jetzt schon zurollt, sondern insbesondere auch, um den heutigen Kindern und Jugendlichen nicht die Chance auf eine eigene lebenswerte und gesunde Zukunft zu verbauen und ihnen die Möglichkeit auf eine bestmögliche psychische und physische Entwicklung zu bieten.

Kinder sollten sich täglich im Freien aufhalten, Fangen oder Verstecken spielen, laufen, hüpfen, toben und klettern. Aber schauen wir den Tatsachen doch ins Auge: Wo ist dies noch möglich? Selbst in ländlichen Gebieten können Kinder draußen meist nur unter Aufsicht spielen. Und unsere wenigen „Spielstraßen“ sind allesamt asphaltiert, was nicht gerade ein gelenkschonendes Spielen zulässt.

Aber auch unsere Bequemlichkeit trägt mit dazu bei, dass Kinder im normalen Alltag viel zu wenig Bewegung haben. Die Fahrt zum Klavierunterricht oder sonstigen Freizeitaktivitäten, die Fahrt zu Freunden,… Kinder werden heute zu fast jeder Gelegenheit mit dem Auto gefahren. Hinzu kommen die vielen Stunden, die in der Schule und anschließend mit Hausaufgaben sitzend zugebracht werden. Und anschließend folgen Computerspiele oder Fernsehen. Man spricht auch von einer zunehmenden „Verinselung“.

Es gibt Kinder, die - außer für den Schulunterricht - kaum noch die Wohnung verlassen. Die WHO empfiehlt als Richtwert in ihren „Activity Guidelines“ mindestens eine Stunde pro Tag und das fünfmal in der Woche eine moderate bis starke Bewegungsaktivität bei Kindern und Jugendlichen. Dieser Richtwert wird in Deutschland deutlich unterschritten. Altersspezifische Angebote an Bewegungsprogrammen für Kinder und Jugendliche sind daher mehr als notwendig.

Eine Befragung innerhalb einer Studie erbrachte das Ergebnis, dass nur 31,9 Prozent der Mütter von übergewichtigen Kindern der Meinung waren, dass ihr Kind zu dick sei (Quelle: pediatrics.aappublications.org). Die meisten Mütter von übergewichtigen Kindern empfinden das Übergewicht also als normal. Ein Bewusstsein der Eltern für Übergewicht und somit auch etwas dagegen zu tun, kann deshalb nicht vorausgesetzt werden.

Bewegung macht schlau
Die Erkenntnisse des Zusammenhangs zwischen ausreichender Bewegung und Lernerfolg sind inzwischen gesichert und ebenfalls Gegenstand zahlreicher Beiträge in den Medien. Bewegung fördert eine bessere Durchblutung des Gehirns und spricht zudem spezielle Gehirnzentren an.

Die richtige Ernährung gehört dazu
Zahlreiche Kinder und Jugendliche essen zu viel und nehmen die falschen Nahrungsmittel mit kaloriendichtem Fast Food, Softgetränken und Süßigkeiten zu sich. Auch die richtige Ernährung sollte daher Inhalt eines Kinderbewegungsprogramms sein. Wobei eine gesunde Ernährung und ausreichende Bewegung grundsätzlich zusammengehören.

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Last modified on Dienstag, 21 Juli 2015 17:58
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Wir stärken Dich e. V. wurde 2003 mit dem Ziel gegründet, durch gewalt- und suchtpräventive Projektarbeit und Förderung und Unterstützung gewalt- und suchtpräventiver Angebote anderer Non-Profit-Organisationen, Kinder und Jugendliche stark und selbstbewusst zu machen. Einige Jahre später kam die Thematik Bewegung und Ernährung hinzu.

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